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Sankhâra: Das Zusammengesetzte
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D.Schlenk
2009-10-31 23:10:42 UTC
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http://tod-im-buddhismus.bodhibaum.net/verstaendnis/tod-theravada.htm

Sankhâra: Das Zusammengesetzte.

Eine andere Art, den Tod zu begreifen, ist ein Verständnis über das Gesetz
der sankhâra oder 'Gruppen'. Dieses Gesetz besagt, dass alles eine
Verbindung von Dingen ist, und dass nichts aus sich selbst heraus (als
unabhängige Wesenseinheit) existieren kann.

Sankhâra ist ein Begriff aus der Pali-Sprache, um Gruppen, Anhäufungen,
Verbindungen oder Zusammensetzungen zu bezeichnen. Dieses Wort leitet sich
von der Silbe - 'San' (zusammen) - und der Wurzel - 'Kar' (machen) - ab. Es
entsteht die Bedeutung: Zusammengesetzt, Zusammengefügt oder
Zusammenkombiniert.

"Alle Dinge dieser Welt", so sagt der Buddha, "sind nur Zusammenhäufungen
oder Verbindungen".

Das bedeutet, sie existieren nicht aus sich selbst heraus, sondern sind aus
verschiedenen Dingen zusammen gesetzt. Ob es ein riesiger Berg oder ein
winziges Senfkorn ist, alles ist nur eine Verbindung von mehreren Dingen.
Nichts ist eine geschlossene Einheit in sich, nichts ist eine
Wesenseinheit - egal wie groß oder klein es ist. Weder Sonne noch Mond noch
das kleinste Sandkörnchen sind eine Wesenseinheit. Jedes dieser Dinge ist
ein sankhâra - eine Verbindung von mehreren, verschiedenen Dingen.

Diese Dinge erscheinen uns als geschlossene Einheiten wegen der Fehlbarkeit
unserer Sinneswahrnehmung, d.h. wegen unserer beschränkten Fähigkeiten zu
sehen, zu hören, zu riechen, zu tasten, zu schmecken und zu denken. Die
Wissenschaft hat diese Ansicht akzeptiert, nämlich dass unsere Sinne keine
unfehlbare Führung für uns sind. Eine "dauerhafte" Wesenseinheit ist nur
ein Konzept, nur ein Begriff. In der Wirklichkeit existiert sie nicht.
...

In der gleichen Weise sind auch 'Mensch' - 'Mann' - 'Frau' - 'Ich' - nur
Namen und Bezeichnungen und nicht Ausdruck für etwas, das tatsächlich
existiert. Der Begriff sankhâra bezieht sich nicht nur auf Verbindungen der
materiellen Welt und der zur materiellen Welt gehörigen Qualitäten, benannt
als 'Körperlichkeit' (rûpa), sondern bezieht sich auch auf den Geist und
die dazugehörigen Funktionen, benannt als 'das Geistige' (nâma). So ist
auch der Geist wie der Körper, nur eine Zusammenfügung oder Kombination.

Wenn gesagt wird, dass der Geist eine Zusammenfügung verschiedener Gedanken
ist, bedeutet das nicht, dass diese verschiedenen Gedanken zur gleichen
Zeit im Geist vorhanden sind. Sondern damit ist eine Aneinanderreihung von
Gedanken, eine nicht endende Folge von Gedanken gemeint. In einem Moment
entsteht ein Gedanke des Hasses, danach ein Gedanke der Trauer, dann ein
Gedanke an eine unerfüllte Aufgabe und dann wieder der Ausgangsgedanke des
Hasses usw. usw. In einer endlosen Abfolge. Jeder Gedanke entsteht - bleibt
eine Weile - und vergeht wieder. Diese drei Stufen des 'Seins' kann man
auch hier finden: Entstehen, verweilen, vergehen. Gedanken entstehen, einer
folgt dem anderen mit solch großer Schnelligkeit in der Abfolge, daß die
Illusion eines permanenten, dauerhaften Dinges, genannt Geist, entsteht.
Aber in Wirklichkeit gibt es kein permanentes, dauerhaftes 'Ding', sondern
nur einen Strom von Gedanken. Die schnelle Abfolge der Gedanken kann man
mit dem fließenden Wasser in einem Fluss vergleichen. Ein Tropfen folgt dem
anderen in rasender Geschwindigkeit, so dass wir eine scheinbar permanente
Einheit in diesem Fluss sehen. Aber das ist eine Illusion. In gleicher
Weise ist auch das Bewusstsein keine bleibende Einheit. Es ist nur die
Abfolge, ein Strom von Gedanken, die entstehen und wieder vergehen. Wenn
ich sage, dass ich heute Morgen einen Fluss überquert habe und ihn abends
wieder überquerte, war dieser Fluss am Morgen der selbe wie abends? Wenn
ich ihn Mittags überquert hätte, welchen Fluss hätte ich dann überquert?
Untersuchen wir diese Fragen, sehen wir, dass dieser Fluss in jeder Stunde,
jeder
Minute, ja jeder Sekunde ein anderer ist. Wo ist dann dieses dauerhafte
Ding, das wir Fluss nennen? Ist es das Flussbett oder sind es die Ufer? Wir
sehen also, daß es da nichts gibt, auf das wir zeigen und sagen können:
"Das ist der Fluss." Fluss existiert nur als Name. Es ist eine angemessene,
konventionelle Bezeichnung für ein stetiges, ununterbrochenes Fließen von
Wassertropfen. Genauso verhält es sich auch mit unserem Geist. Er ist ein
stetiger Strom von Gedanken. Können Sie auf einen beliebigen Gedanken, der
gerade durch Ihren Geist zieht, zeigen und sagen: "Das hier ist wirklich
mein Geist - mein dauerhafter Geist!?" Ein Gedanke des Ärgers gegen irgend
eine Person entsteht. Wenn dieser Gedanke mein unvergänglicher Geist ist,
wie kommt es, daß zu einer anderen Gelegenheit ein Gedanke der Liebe
entsteht? Wenn das auch mein Geist ist, dann gibt es also zwei sich
widersprechende Geist(er)? Wenn wir uns auf dieser Ebene weiter befragen,
kommen wir zu dem unumgänglichen Schluss, dass es so etwas wie einen
permanenten Geist nicht gibt. Es ist nur eine angemessene Bezeichnung für
einen unablässigen, vielgestaltigen Strom von Gedanken - die entstehen und
wieder vergehen. 'Geist' existiert als Wesenseinheit in Wirklichkeit nicht.
Ihn gibt es nur als Namen, als Ausdruck für eine Abfolge von Gedanken:
Kutsche - Fluss - Körper - Geist, - sind alles nur Verbindungen. Aus sich
selbst heraus und als unabhängige Verbindungen existieren sie nicht. Es
gibt in ihnen nichts wirklich Stabiles, nichts was mit einer
(unveränderlichen) Wirklichkeit übereinstimmt, nichts Permanentes, keine
ewige immerwährende Substanz oder Seele. Wenn der Körper also nur ein Name
für die Verbindung verschiedener sich ständig ändernder Faktoren ist und
der Geist in gleicher Weise nur ein Name für eine Abfolge von Gedanken, ist
die psycho-physische Kombination, genannt Mensch, auch keine Wesenseinheit,
außer im Gebrauch konventioneller Ausdrucksweise. Wenn wir sagen: Eine
Kutsche fährt, und ein Mann läuft, ist das nur im übertragenem Sinne und
auf konventioneller Ebene korrekt. In Wirklichkeit gibt es nur Bewegung -
es gibt nur ein Laufen. Deswegen steht in der Visuddhi Magga geschrieben:

Nicht findet man der Taten Täter
Kein Wesen, das die Wirkung trifft
Nur leere Dinge ziehen vorüber
Wer so erkennt hat rechten Blick.
As Below
2009-11-01 04:25:06 UTC
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Raw Message
Post by D.Schlenk
http://tod-im-buddhismus.bodhibaum.net/verstaendnis/tod-theravada.htm
Sankhâra: Das Zusammengesetzte.
Diese Dinge erscheinen uns als geschlossene Einheiten wegen der Fehlbarkeit
unserer Sinneswahrnehmung, d.h. wegen unserer beschränkten Fähigkeiten zu
sehen, zu hören, zu riechen, zu tasten, zu schmecken und zu denken.
Die Sinnes-Faehigkeiten sind nicht in diesem Sinne beschraenkt.
Es ist die Aufmerksamkeit, die aufgrund von Zweckmaessigkeiten der
Sinnestaetigkeit andere Ziele setzt.
Richtet man die Aufmerksamkeit auf Sankhara, dann funktionieren die
Sinne ausgezeichnet, und besonders auch ausreichend um zu erkennen, dass
alle Paenomene ihr Bedingungen und Umstaende haben.
Post by D.Schlenk
In der gleichen Weise sind auch 'Mensch' - 'Mann' - 'Frau' - 'Ich' - nur
Namen und Bezeichnungen und nicht Ausdruck für etwas, das tatsächlich
existiert.
Aber sie sind selbstverstaendlich tatsaechlich existent, wie alles andere
auch. Dass naemlich Dinge zusammengesetzt sind, sagt ja nicht das sie
nicht existieren, sondern nur, dass ihre Existenz auf bestimmte
Bedingungen und Umstaende zurueckgefuehrt werden kann.

Das ist manchmal sinnvoll, manchmal aber auch unsinnig.
Wenn man gegen einen Baum faehrt muss man sich genau so wenig um dessen
Existenz-Bedingungen und Umstaende Gedanken machen, wie bei Holzmachen
fuer den Ofen.

Das ist so das uebliche Besserwissender Buddzie-Geschwafel.
Post by D.Schlenk
Wo ist dann dieses dauerhafte
Ding, das wir Fluss nennen?
Von hier bis zur elbe ist es nicht weit.
Post by D.Schlenk
Ist es das Flussbett oder sind es die Ufer?
Naja, das sagen ja schon die worte , Flussbett und Ufer sind Flussbett
und Ufer - und der fluss ist das Wasser was darin fliesst.
Sonst noch was ?
Post by D.Schlenk
Wir
"Das ist der Fluss."
Doch, das kann ich - komm mal mit.
Post by D.Schlenk
Genauso verhält es sich auch mit unserem Geist. Er ist ein
stetiger Strom von Gedanken. Können Sie auf einen beliebigen Gedanken, der
gerade durch Ihren Geist zieht, zeigen und sagen: "Das hier ist wirklich
mein Geist - mein dauerhafter Geist!?"
Du lieber weiter himmel, immer diese Wechsel von Bezugs-Ebenen.
Was fuer ein Mist.

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f
--
it's just about music :
noch ein Download und so... (4.08)
http://www.freimanns-music.biz/
D.Schlenk
2009-11-01 11:42:37 UTC
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Raw Message
Post by As Below
Post by D.Schlenk
http://tod-im-buddhismus.bodhibaum.net/verstaendnis/tod-theravada.htm
Sankhâra: Das Zusammengesetzte.
Diese Dinge erscheinen uns als geschlossene Einheiten wegen der Fehlbarkeit
unserer Sinneswahrnehmung, d.h. wegen unserer beschränkten Fähigkeiten zu
sehen, zu hören, zu riechen, zu tasten, zu schmecken und zu denken.
Die Sinnes-Faehigkeiten sind nicht in diesem Sinne beschraenkt.
Es ist die Aufmerksamkeit, die aufgrund von Zweckmaessigkeiten der
Sinnestaetigkeit andere Ziele setzt.
Richtet man die Aufmerksamkeit auf Sankhara, dann funktionieren die
Sinne ausgezeichnet, und besonders auch ausreichend um zu erkennen, dass
alle Paenomene ihr Bedingungen und Umstaende haben.
Post by D.Schlenk
In der gleichen Weise sind auch 'Mensch' - 'Mann' - 'Frau' - 'Ich' - nur
Namen und Bezeichnungen und nicht Ausdruck für etwas, das tatsächlich
existiert.
Aber sie sind selbstverstaendlich tatsaechlich existent, wie alles andere
auch. Dass naemlich Dinge zusammengesetzt sind, sagt ja nicht das sie
nicht existieren, sondern nur, dass ihre Existenz auf bestimmte
Bedingungen und Umstaende zurueckgefuehrt werden kann.
Ja.
Post by As Below
Das ist manchmal sinnvoll, manchmal aber auch unsinnig.
Wenn man gegen einen Baum faehrt muss man sich genau so wenig um dessen
Existenz-Bedingungen und Umstaende Gedanken machen, wie bei Holzmachen
fuer den Ofen.
Da sprichst Du mit dem Richtigen. Ich habe erst gestern Holz gesägt. Ich
bin
nicht so abgehoben, wie Du denkst.
Post by As Below
Das ist so das uebliche Besserwissender Buddzie-Geschwafel.
Kann ich was dafür? Stammt ja nicht von mir. Dachte nur, es könnte andere,
die ähnliches labern, interessieren.
Post by As Below
Post by D.Schlenk
Wo ist dann dieses dauerhafte
Ding, das wir Fluss nennen?
Von hier bis zur elbe ist es nicht weit.
Ja prima.
Post by As Below
Post by D.Schlenk
Ist es das Flussbett oder sind es die Ufer?
Naja, das sagen ja schon die worte , Flussbett und Ufer sind Flussbett
und Ufer - und der fluss ist das Wasser was darin fliesst.
Sonst noch was ?
Du bist so genervt von so viel esoterischer Deuterei. Mit dem praktischen
Leben, meinst Du, hat das wenig zu tun. Stimmt ja auch. Trotzdem darf
man die Welt so sehen, was ist da schon schlimm dran.
Post by As Below
Post by D.Schlenk
Wir
"Das ist der Fluss."
Doch, das kann ich - komm mal mit.
Ich weiß nicht. Soll ich, soll ich nicht?.....Vielleicht nächstes Mal.
Post by As Below
Post by D.Schlenk
Genauso verhält es sich auch mit unserem Geist. Er ist ein
stetiger Strom von Gedanken. Können Sie auf einen beliebigen Gedanken, der
gerade durch Ihren Geist zieht, zeigen und sagen: "Das hier ist wirklich
mein Geist - mein dauerhafter Geist!?"
Du lieber weiter himmel, immer diese Wechsel von Bezugs-Ebenen.
Was fuer ein Mist.
Abwechslung ist das halbe Leben. Bleib doch cool. Du hast es doch voll
drauf.

Danke für Deine persönliche Einschätzung. Jeder hat da so seine eigenen
Ansichten. Ich finde alles interessant. Alles hat ne Daseinsberechtigung,
auch
der ärgste Mist. Wenn das für Dich Mist war, dann war das eben so. Davon
geht die Welt nicht unter.

D. S.
As Below
2009-11-02 09:17:56 UTC
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Raw Message
Post by D.Schlenk
Danke für Deine persönliche Einschätzung. Jeder hat da so seine eigenen
Ansichten. Ich finde alles interessant. Alles hat ne Daseinsberechtigung,
auch
der ärgste Mist. Wenn das für Dich Mist war, dann war das eben so. Davon
geht die Welt nicht unter.
noe, ist schon richtig.

Nun denn, aber dennoch hat sich bolle ganz koestlich amuesiert...


mfG

f
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D.Schlenk
2009-11-02 18:02:44 UTC
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Post by As Below
Post by D.Schlenk
Danke für Deine persönliche Einschätzung. Jeder hat da so seine eigenen
Ansichten. Ich finde alles interessant. Alles hat ne
Daseinsberechtigung,
auch
der ärgste Mist. Wenn das für Dich Mist war, dann war das eben so. Davon
geht die Welt nicht unter.
noe, ist schon richtig.
Nun denn, aber dennoch hat sich bolle ganz koestlich amuesiert...
Jedem Tierchen sein Plaisirchen.

mfG

D. S.
D.Schlenk
2010-06-19 14:05:15 UTC
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Post by D.Schlenk
http://tod-im-buddhismus.bodhibaum.net/verstaendnis/tod-theravada.htm
Sankhâra: Das Zusammengesetzte.
[...]

Nachtrag:

Zitat


Der ursprüngliche Zustand des Geistes

Wenn jemand im eigenen Geist sich besinnt auf den ursprünglichen Zustand
seines Geistes, lösen sich alle trügerischen Gedanken von selber auf in das
Reich der letzten Wirklichkeit. Niemand ist mehr da, der Leiden verursacht,
und niemand, der leidet.

Milarepa (12. Jh.)

Aus diesen Worten eines der bedeutendsten Meister des tibetischen Buddhismus
geht klar hervor, dass der eigene Geist nicht unbedingt in der unmittelbaren
Erfahrung seines Selbst-Seins, seines ursprünglichen Zustandes verweilt. Und
doch ist der eigene Geist nie getrennt von seinem ursprünglichen Zustand -
von diesem Einen Geist, der er selbst ist, und neben dem nichts anderes
existiert.

Stellt euch vor: Ihr richtet einen Strohhalm hoch zum Himmel und schaut
hindurch. Die unendliche Weite des Himmels verengt sich so zu einem kleinen
Punkt innerhalb des begrenzten Blickfeldes.

Durch die Fixierung eures eingrenzenden, dualistischen Denkens verengt sich
auf diese Weise eure Wahrnehmung zum mikrokosmischen Teilaspekt des
kosmischen Geistes. Und so befindet ihr euch im bedauernswerten Zustand
einer Bewusstseinsverengung mit der Illusion einer vermeintlichen
Individualität, die sich von allem, was sie wahrnimmt, als getrennt erfährt.

Das, was ihr im Allgemeinen als »Ich« bezeichnet, hat keine Wirklichkeit aus
sich selbst. Es ist lediglich eine flüchtige Verbindung sich ständig
verändernder Energien. Euer sogenanntes individuelles Dasein ist in
Wirklichkeit nichts weiter als ein ununterbrochen fortlaufender Prozess des
Zusammenwirkens von unpersönlichen Daseinsfaktoren.

Diese Daseinsfaktoren, die Skandhas, werden im Buddhismus in fünf Gruppen
eingeteilt. Sie werden in der Reihenfolge abnehmender Dichtigkeit und
Materialität aufgezählt: Körperlichkeit, Empfindungen, Wahrnehmungen,
Geistesregungen und Bewusstsein.

Es darf jedoch keine dieser Skandhas, noch die Skandhas in ihrer Gesamtheit,
als ein für sich bestehendes, eigenständiges Selbst betrachtet werden, auch
nicht das Bewusstsein, das in seiner Feinheit der Vorstellung einer Seele am
nächsten kommt.

Das Bewusstsein ist hier nicht als ein unveränderliches Sein hinter den
Erfahrungen zu verstehen, wie viele glauben, sondern als
Bewusstseinsformationen - Bewusstseinsabläufe. Bewusstsein ist
ein »Bewusstseinsprozess«. Es ist nicht eine Realität hinter den
Erfahrungen, sondern Bewusstsein ist Ereignis, das heißt: eine Kette von
aufeinanderfolgenden Bewusstseinsmomenten.

Die buddhistische Psychologie spricht hier von »Bewusstseinsblitzen«. Diese
ergeben die Illusion eines kontinuierlichen, ununterbrochenen Bewusstseins.
Es ist einer aufeinanderfolgenden Reihe von Lichtbildern vergleichbar, die
mittels eines Filmprojektors auf der Leinwand die Illusion von Gegenständen
und Bewegungen ergibt. Wir sehen zum Beispiel einen Fluss, aber in
Wirklichkeit sehen wir nur den Ablauf einer Unmenge von Bildern von
Bewusstseinsmomenten, das heißt: es ist nur eine Kette von Momentexistenzen
und -kombinationen.

Die einzelnen Momente aller Prozesse geistigen und physischen Lebens
verändern sich ständig ohne Unterbrechung. Sie ändern sich so schnell, dass
der Wechsel nicht bemerkt wird. Es existiert somit nichts anderes als eine
Kette von Momentexistenzen und -kombinationen, in der Weise schnell
aufeinander folgender Bewusstseinsblitze.

Alle einem Individuum und der von ihm erlebten Erscheinungswelt zugehörigen
Daseinsfaktoren währen nur einen kurzen Augenblick - und im nächsten Moment
ist von dem, was soeben ins Dasein trat, schon nichts mehr da.

Alle Persönlichkeitswahn bildenden Daseinsfaktoren sind unstabil und haben
in Wirklichkeit kein Sein. Sie sind nur Schein, sie sind nur Ereignis und
haben keinerlei unabhängige Existenz. Denn alles, was ins Dasein tritt,
hängt von etwas Vorausgegangenem ab. Nichts ist Ding an sich, aus sich
selbst heraus. Alles ist nur Ereignis in Form von Illusion der Erscheinung,
bedingt durch Vorausgegangenes.

Alles, was Inhalt deiner Wahrnehmung werden kann, entsteht in Abhängigkeit
von etwas anderem, und somit hat es einen Anfang. Doch alles, was einen
Anfang hat, unterliegt dem Gesetz des Werdens und Vergehens und wird deshalb
auch ein Ende haben. Anfang und Ende sind aber illusorische Momente. Sie
sind innerhalb des Zeitmoments, doch Zeit und Raum haben keine Wirklichkeit.

Zeit und Raum sind nur Bewusstseinskategorien, das heißt: es sind
vorausgegebene Bedingungen, mittels welcher das individuelle Bewusstsein
eine vermeintliche Außenwelt wahrnimmt. In Wirklichkeit ist alles aber nur
Vorstellung, das heißt »Idee«, und somit ein nicht aus sich selbst Seiendes.

Aber wir wollen jetzt nicht zu tief in die buddhistische
Wahrnehmungspsychologie hineingehen, denn sonst fangen womöglich eure Köpfe
noch an zu rauchen, und der Vortrag wird zu lang.

Wesentlich für euch ist vor allem zu wissen und zu erkennen, dass die Welt,
so wie ihr sie wahrnehmt, nur eine Projektion ist. Sie ist eine Projektion
des Bewusstseins - welches auch kein Sein an sich ist, sondern - Ereignis.
Alle Wahrnehmungen und Vorstellungen, alle Gedanken sind somit nicht
verschieden von dem Denker, denn die Gedanken sind illusorisch und der
Denker, der die Gedanken denkt, ebenfalls.

Somit ist der Denker nichts weiter als ein Ereignis - er hat kein wirkliches
Sein. Jetzt kommen wir wieder auf unseren Ausspruch von Milarepa zurück:

Wenn jemand im eigenen Geist sich besinnt auf den ursprünglichen Zustand
seines Geistes ...

Der ursprüngliche Zustand deines Geistes ist die Wirklichkeit hinter allen
Erfahrungen. Es ist der Eine Geist, neben dem nichts anderes existiert und
der ganz und gar unberührt bleibt von allem Wandel und Tod.

Der Eine Geist und der eigene Geist sind in ihrer Essenz ein und die gleiche
Wirklichkeit. Die Natur des eigenen Geistes zu erkennen bedeutet
demzufolge - die Natur der allumfassenden Ganzheit des Seins zu erkennen.

Der Eine Geist ist wie die Leinwand hinter allen Bildern, Bewegungen, Farben
und Formen eines Films. Wenn man diesen unbeteiligten Zuschauer aller
Erfahrungen wahrnimmt, nimmt man den ursprünglichen Zustand des Geistes
wahr, und:

... alle trügerischen Gedanken lösen sich von selber auf in das Reich der
letzten Wirklichkeit.

»Die trügerischen Gedanken« sind der ganze Ego- Prozess, das heißt der
Prozess der Verfestigung und Aufrechterhaltung der Illusion einer
scheinbaren Persönlichkeit und somit des Kreislaufs von Geburt, Altern,
Verzweiflung, Krankheit, Schmerz und Tod. Mit anderen Worten: Die
unpersönlichen Daseinsfaktoren und Samsara sind ein und derselbe Prozess.

Der eigene Geist ist aber niemals getrennt von der Wirklichkeit des Einen
Geistes, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. In dem Augenblick, wenn
die Eingrenzung des eigenen Geistes fällt, löst sich die
Bewusstseinsverengung, die Pseudo-Individualität mit ihrer wahrgenommenen
Welt, auf.

In dieser Erfahrung von Leerheit - weit und offen wie der Himmel - offenbart
sich die grenzenlose Weite des Einen Geistes, der sich selbst begrenzte und
mit dieser Begrenzung identifiziert hatte. In dieser Erleuchtungserfahrung
ist es, als ob eine Seifenblase zerplatzt. Der innere Raum der Seifenblase
und der äußere Raum lösen sich ineinander auf und werden eins.

Aber diese totale Befreiung des Geistes kannst du nicht
willentlich »machen«. Du kannst sie nicht erzwingen. Du kannst nicht gegen
die selbstgeschaffene Begrenzung ankämpfen, denn je mehr du dagegen
ankämpfst, umso mehr verfestigt sie sich zu einem unüberwindbaren finsteren
Kerker. Du kerkerst dich selbst ein in einen Kerker des Nichtwissens.

Und jetzt wollen wir den Ausspruch von Milarepa weiterverfolgen, der Satz
geht nämlich weiter:

Wenn jemand im eigenen Geist sich besinnt auf den ursprünglichen Zustand
seines Geistes, lösen sich alle trügerischen Gedanken von selber auf in das
Reich der letzten Wirklichkeit. Niemand ist mehr da, der Leiden verursacht,
und niemand, der leidet.

»Wenn die Gedanken sich erheben, erheben sich alle Dinge«, sagt
Huang-po, »und wenn die Gedanken schwinden, schwinden alle Dinge.« Und wenn
alle Dinge schwinden, schwinden auch alle Persönlichkeitswahn bildenden
Daseinsfaktoren und somit der ganze Samsara.

Es verschwindet all das, was ein Pseudo-Individuum in seiner
Gesamtkonstellation ausmacht.

Das Ego - das heißt: die Wahnidee einer für sich bestehenden
Persönlichkeit - löst sich auf, und somit ist niemand mehr da, der Leiden
verursacht. Und wenn niemand mehr da ist, der Leiden verursacht, gibt es
auch keinen mehr, der leidet.

Leiden kommt nicht von außen - es kommt immer von innen. Denn die
Vergänglichkeit alles Angenehmen, das du in der Welt erfährst, kann niemals
Leid in dir verursachen, wenn du dich nicht daran festklammerst.

Deshalb sagt Meister Eckhart:

Alles Leid kommt her von Liebe und Zuneigung. Darum, habe ich Leid wegen
vergänglicher Dinge, so habe ich und hat mein Herz noch Liebe und Hang zu
vergänglichen Dingen. So ist es kein Wunder, wenn Gott zulässt, dass ich
ganz zu Recht Schaden und Leid erdulde.

Wenn du das Angenehme oder besser - das in deiner Vorstellung Angenehme -
festhalten willst und es sich dir entzieht, dann entsteht immer Leid. Aber
das Ding selbst verursacht dir kein Leid. Nur die Anhaftung an das
Vergängliche verursacht Leid. Denn Anhaftung ist Verfestigung, Verhärtung,
und Verhärtung ist immer Erstarrung, Nichtbewegung. Es ist entgegen dem
Fluss des Tao. Deshalb sagt ja auch der alte Lao-tse:

Das Harte und Starre stirbt keinen guten Tod.

Und Zen-Meister Yüan-wu sagt:

Alle Dinge werden wirklich im Nicht-Verweilen. Lass deinen Geist fließen,
ohne bei irgendetwas zu verweilen. Ein alter Meister sagt: »Störe dich an
nichts und verweile nicht bei irgendetwas, sei es von dieser Welt oder
nicht.« Verweilst du bei etwas, so gerätst du ins Stocken und behinderst
deine Wandlung.

Also: Löse dich von all deinen Konditionierungen! Löse dich von all deinen
Identifikationen mit dem, was du zu sein glaubst und mit dem, was du
irgendwann einmal erlebt hast! Befreie dich von allem intellektuellen
Sperrmüll, den du in deinem Hirn aufgespeichert hast! Befreie dich von den
Schatten einer toten Vergangenheit, die nicht wert sind, auch nur einen
einzigen Gedanken daran zu verschwenden, die aber Grundlage der westlichen
Psychologie sind.

Ohne dieses Wühlen in diesem Müll gäbe es keine westliche Psychologie, keine
Therapie. Dies ist der Weg, das Pferd am Schwanz aufzuzäumen, und deshalb
führt er immer nur im Kreis herum.

Du kannst dich bemühen, soviel du willst und versuchen, mittels der
Psychologie einen Ausweg aus deiner heillosen Situation zu finden. Du bist
verwirrt und bemühst dich mit aller Kraft, herauszukommen und verstrickst
dich dadurch immer tiefer in das Rankengewirr der selbstverursachten
geistigen Verwirrung. Auf diese Weise bleibst du gefangen in diesem
geistigen Chaos, in dieser Verblendung, in deinem Gefängnis von
Konditionierungen, Verhaltensmustern und Denkmodellen. Und zu guter Letzt
kommt dabei heraus, dass du vielleicht in eine Psychose oder gar in eine
Dauerpsychose fällst. Und schließlich landest du in der Klapse.

Darum rate ich euch: Befreit euch von all diesem Schwachsinn! Doch dieses
Befreien könnt ihr nicht machen. Wenn ihr »jetzt«, in diesem Augenblick, so
wie ihr hier vor mir sitzt, alles lasst wie es ist und in den unmittelbaren
Augenblick des Jetzt versinkt, dann besinnt ihr euch auf euren
ursprünglichen Zustand des Geistes. Das bedeutet, dass ihr in einem
Vergessen eurer selbst und aller Dinge alles loslasst und nicht an der
Vorstellung von Vergangenheit und Zukunft haftet, die nichts weiter als
leere Gedanken sind.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind die Folgeerscheinung der Illusion
von Raum und Zeit, doch dies ist alles nur wie ein Blatt, das vom Herbstwind
am Fenster unseres Bewusstseins vorbeigeweht wird - fort ist es.

Raum und Zeit bilden die samsarischen Grundlagen eures Welterlebens. Doch
ein einziger Augenblick der unmittelbaren Gegenwärtigkeit reiner
Bewusstheit, und du befindest dich im absoluten »Jetzt«, und der Spuk
von »Raum-Zeit-Illusion« löst sich auf. Hier gibt es kein Ich und kein Du,
kein Kommen und kein Gehen, kein Vorher und kein Nachher. Hier ist nur
das »Jetzt«, und dieses Jetzt ist die Wirklichkeit des göttlichen Seins, von
der Meister Eckhart sagt: »Gott ist das absolute Nun.« Du brauchst nirgends
zu suchen, du brauchst nirgendwo hinzugehen.

Wo willst du die Wirklichkeit deines Seins suchen, die du selbst bist? Wo
willst du »das göttliche Licht« finden, »das in der Finsternis leuchtet«,
wie es heißt im Prolog des Johannes-Evangeliums - wo willst du es finden,
außer in dir selbst?

Doch ein Gedanke und ein weiterer Gedanke, und schon erheben sich Gefühle
und Vorstellungen. Es erheben sich Gier, Hass und Verblendung, und der
Samsara verfestigt sich so immer mehr. Dies alles überdeckt den wahren
Zustand des Geistes, so dass das göttliche Licht, das in der Finsternis
leuchtet, nicht erkannt werden kann.

Dieses Licht - dein wahres Sein - mittels des unterscheidenden Denkens,
mittels des intellektuellen Erkenntnisvermögens suchen zu wollen wäre
genauso, als wolltest du auf einem großen Platz eine brennende Kerze suchen
bei strahlendem Sonnenschein. Vollkommen dunkel muss es sein. »MU« - Nichts!
Nicht-Wollen, Nicht-Denken. Endlich den Mut haben, die Dinge so zu lassen,
wie sie sind. Das ist das große Vertrauen, das es zu verwirklichen gilt.

Wichtig ist, dass du dieses große Vertrauen in dir erweckst. Dies geschieht
dadurch, dass du nicht auf dich selbst baust, auf deine intellektuellen
Möglichkeiten, sondern im Wu-wei, im Nicht-Tun verweilst und der
allmächtigen Wesenheit des göttlichen Allgeistes die Möglichkeit gibst zu
wirken. Wu-wei heißt: solcherart im Nicht-Tun zu verweilen, dass das Tao in
dir und durch dich hindurch wirken kann. Mit den Worten Meister
Eckharts: »Gott wirkt, und ich werde.«

Du kannst nichts erzwingen - allein schon deshalb, weil es nichts zu
erreichen gibt. Sobald du glaubst, es gäbe irgendetwas zu erlangen, es gäbe
irgendein Ziel zu erreichen, befindest du dich in der Hölle der Dämonen des
unterscheidenden Denkens.

Diese Dämonen sind jedoch nichts anderes als deine eigenen Projektionen. Es
sind deine selbsterzeugten inneren Spannungen, weil du einer
Wunschvorstellung nachjagst, die nur in deinem Kopf existiert. Denn innere
Spannung ist immer gehemmtes Wollen.

»Jetzt« ist alles da! (Zensho stößt mit dem Stock auf den Boden auf!!!) Euch
fehlt überhaupt nichts. Nicht das Geringste. Was ist es also, was euch zu
mir führt?

Was ist euer Anliegen? Söhne und Töchter des Allerhöchsten,
Erscheinungsweisen der göttlichen Wirklichkeit. Ihr seid »absolutes Sein,
grenzenloses Bewusstsein und ewige Glückseligkeit«, und alles andere sind
nur Schäume, Träume und Schatten ohne jede Wirklichkeit.

Deshalb sagt Milarepa:

Wenn jemand im eigenen Geist sich besinnt auf den ursprünglichen Zustand
seines Geistes, lösen sich alle trügerischen Gedanken von selber auf in das
Reich der letzten Wirklichkeit. Niemand ist mehr da, der Leiden verursacht,
und niemand, der leidet. Das erschöpfendste Studium aller heiligen Schriften
lehrt uns nicht mehr als dies Eine.

Besinnt euch auf den ursprünglichen Zustand eures Geistes und vergesst
niemals, wer ihr wirklich seid!

Identifiziert euch nicht mit dem, was ihr irgendwann einmal erlebt habt!
Haltet euch nicht für das, was ihr glaubt, einmal gewesen zu sein, so wie
ihr euch saht in eurem Nichtwissen und wie andere euch sahen oder immer noch
sehen! Das hat alles genauso wenig Wirklichkeit wie ein Traum, den ihr
irgendwann einmal geträumt habt.


Quelle: Die Freiheit des Zen


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...

Zitat Ende

D. S.

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